Das Wichtigste,

was es wohl über mich zur erzählen gibt, ist, dass ich ein traumgetriebener Mensch bin. Mit 14 habe ich Harry Potter gelesen, mit 16 hatte ich eine eigene ausgereifte Buchidee – und mit 18 stand die so fest in meinem Kopf, dass ich nicht mehr Innenarchitektin werden wollte, sondern Regisseurin meines eigenen Films. Die folgenden Jahre waren ein Tauziehen mit und vor allem gegen die Realität, denn ehrlich gesagt: Die wenigsten Künstler haben Geld für einen millionenschweren Blockbuster. Oder überhaupt genügend Ersparnisse, um monatelang unentgeltlich an einem Debüt-Roman/Drehbuch zu schreiben. Oder überhaupt Geld für eine Krankenversicherung.

Und so kam es, dass ich nach einem richtig tollen Filmstudium zuerst einen Abstecher zum Fernsehen und in den Investigativ-Journalismus unternahm und letztendlich sehr geerdet im Marketing eines großen Konzerns gelandet bin – und weitere Jahre später in einem Seminar für Nachwuchskräfte. Und mich dort der Coach fragte, wo ich mich in fünf Jahren in dieser Firma sehen würde. Und ich mir dachte: „Egal, in welcher Position ich sein werde, ich will endlich diese eine Filmidee aufgeschrieben haben!“

Das war es also? Leider nein 🙂

Denn als ich an diesem Abend nach dem Coaching voller Tatendrang mit den ersten Sätzen meines Jugendtraums anfing, wusste ich noch nicht, dass ich zwei Jahre später – passend zur Geburt meines ersten Kindes – alle Seiten dieses Romans wegschmeissen würde. Dass ich mich für nicht gut genug halten würde, ein Buch zu schreiben. Trotz meiner Expertisen! Und dass ich dann stattdessen eine Schreibübung beginnen würde mit dem Titel „Schattenwede“ – und diese eskalieren würde, sodass ich dann einfach noch mehr Bücher im Kopf hätte. Ja, genau an diesem Punkt stehe ich nun: Ich bin Vollzeitarbeitnehmerin der Firma, die mir damals das Seminar ermöglicht hat, Mama von nun zwei kleinen Kindern und Ehefrau eines Mannes, der Gott sei Dank nachts gern zockt – wenn ich meine Bücher schreibe. Alle. Ich werde sie alle schreiben. Die ersten beiden Teile von Schattenwede fanden über 10.000 Leser, jeden Tag werden es mehr. Eine Ehre und meine Erlösung! Die Bestätigung, dass man einfach manchmal springen muss und alles gut wird.

Und eine tolle Motivation, immer weiterzuschreiben, denn das Unterfangen ist krass: Meine dritte Schicht – die zum Schreiben – beginnt jeden Abend, wenn andere Feierabend machen. Nach 21 Uhr. Aber das ist die Wahrheit: Ich bin unfassbar froh, dass ich meine Jugendträume wiedergefunden habe. Dass ich durch meinen Brotjob mittlerweile genügend Geld habe, mein Marketing selbst zu steuern, mir meinen Lektor und Korrektor selbst auszusuchen, einen eigenen Verlag zu besitzen. Und vor allem, dass ich mit fast 40 Jahren endlich weit genug bin, all die Emotionen aufzuschreiben, über die ich seit Jahrzehnten schon erzählen will. Das will ich nie wieder hergeben!

Hattest du auch Jugendträume? Was ist aus ihnen geworden? Und wo siehst du dich in fünf Jahren?